Die Bundesstrasse BR 364 verbindet die Hauptstadt Acres Rio Branco über
Rondônia und Mato Grosso mit dem Rest Brasiliens. Die Existenz
dieser Strasse war in Acre sowie in Rondônia eine der
Voraussetzungen für die Invasion der Rinderzüchter und
Tropenholzhändler und das Anwachsen der Städte. Die Rodungen und
Landkonflikte fanden vermehrt entlang der Bundesstrasse statt. Vor allem
im Zuge des von der Weltbank finanzierten Strassenbau- und
Ansiedlungsprojektes "Pólonoroeste" in Rondônia kam
es zu Übergriffen auf Indianergebiete sowie wilden Rodungen. In Acre
wurde Rio Branco zum Anziehungspunkt für die vielen tausenden ihrer
Lebensgrundlage beraubten Waldbewohner.
Die
Möglichkeiten des Gelderwerbs in der Stadt für die neuen
Zuwanderer, die ohne Mittel und zumeist Analfabeten sind sind allerdings
gering und so sind oft Prostitution, Drogenhandel und Raub die Folge. Die
Müllentsorgung in Rio Branco ist unzureichend, wodurch oft unbebaute
Grundstücke zu wilden Mülldeponien werden und das Grundwasser
und die Brunnen grösstenteils verseucht sind. Vielfach wird der Müll
auch verbrannt. In Acre wie in ganz Amazonien existiert die Tradition der
Brandrodung. Ebenso wird alljährlich am Ende der Trockenzeit das
ausgetrocknete Gras und Buschwerk angezündet und so den Boden als
Feld oder Weideland nutzbar gemacht. Das hat (abgesehen von den globalen ökologischen
Auswirkungen ) zur Folge, dass in den Monaten August und September die
Luft voller Rauch ist und vor allem Kleinkinder an Atemwegserkrankungen
leiden.
Seit Anfang der 90er Jahre ist die BR-364 durchgehend bis Rio Branco
asfaltiert und somit ganzjährig befahrbar. Eine Fortsetzung der
Strasse als Verbindung Brasiliens mit Peru und der Pazifikküste ist
geplant. Dieser Plan konnte bis jetzt wegen der nicht vorhandenen Mittel
nicht realisiert werden. Die Fertigstellung einer solchen Strasse hätte
unabsehbare Auswirkungen auf die Bevölkerung Acres und Rio Brancos
sowie auf die Pflanzen und Tiere des Regenwalds...