BIOPIRATERIE IM AMAZONASGEBIET- HISTORISCHE
TATSACHEN
Pau Brasil
Die Biopiraterie im Amazonasgebiet fing fast unmittelbar
nach der „Entdeckung“ im Jahre 1500 durch die Portugiesen
an – als diese von den indigenen Völkern der Region das Geheimnis
stahlen, wie man ein rotes Pigment von Pau-brasil (Brasil-Holz) extrahiert.
Symbolisch für die heutige Situation, wo Flora und Fauna weiterhin
verschwinden, ist das Holz, dass Brasilien seinen Namen gab, vollständig
verschwunden und nur in einigen botanischen Gärten konserviert.
Gummi
Der berühmteste Fall ist der des Engländers
Henry Alexander Wickham, der 1876 Gummibaum-Samen - manche sagen, er
hätte sie zwischen Bananenblättern versteckt - zu den britischen
Kolonien in Malaysia brachte und mit diesen Samen eine Plantage von
Hevea brasiliensis anlegte. Innerhalb einiger Jahrzehnte wurde
die malaysische Region der Hauptexporteur des Latex - und zerstörte
die auf Latex gegründete Wirtschaft des Amazonasgebiets. Wickham
wurde vom König George V zum Ritter geschlagen – während
die brasilianischen Gummibarone ihn verfuchten und ihn „den Schlächter
des Amazonas“ nannten.
Chinin
Ein anderes Fallbeispiel ist die Malariadroge Chinin:
Die indigenen Völker benutzten die Pflanze zur Fieberbehandlung.
Vom Cinchonabaum (Cinchona officinalis) hergestellt, wurde
sie 1920 in den USA für die Behandlung von Malaria verwendet. Bekannt
als „indianische Fieberrinde“, wurde das Produkt in Europa
schon um 1500 verwendet. (Ein Jahrhundert später wurde der Name
geändert – zu „jesuitische Fieberrinde“...) Die
Nachfrage nach Chinin war gross und der Baum wäre fast ausgestorben.
Aber ein Engländer, Charles Ledger, schmuggelte sie 1865 von Südamerika
nach Java, und rettete dadurch die Pflanze. Bereits sechzig Jahre später
kam mehr als 95% des Chinins der Welt aus Java...
Kurare
Ein Konflikt ist fast unvermeidlich, wenn es um Patentieren
von Medizinalpflanzen geht: Kurare etwa, ist eine giftige Mischung aus
einigen Pflanzen, deren Formel als indianisches Geheimnis für Jahrhunderte
geheimgehalten wurde. Einige indigene Völker verwenden die Mischung
für vergiftete Pfeilspitzen. Alexander von Humboldt war im Jahre
1800 der erste Europäer, der bei der Zubereitung dabei war und
genau beschreiben konnte, wie es zubereitet wurde. Aber Kurare wurde
als Betäubungsmittel erst ab 1943 verwendet, vier Jahre nachdem
die aktive Substanz, das d-tubocurarine, lokalisiert wurde.
Bibliographie
- Green Piracy, by Alessandra Dalevi, BRAZZIL July
1997
- "Gene, Patente und die Life Industry",
Greenpeace Germany 2000
- Goulding, M., Smith, N.J.H., Mahar, D.J.: Floods
of Fortune. Ecology and Economy along the Amazon. New York, Columbia
University Press 1996
- Dean, W.: Brazil and the Struggle for Rubber.
Cambridge, England: Cambridge University Press 1987
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